Die Ausbildungszahlen im bayerischen Handwerk entwickeln sich 2026 positiv. Der Bayerische Handwerkstag meldet einen deutlichen Anstieg bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Präsident Franz Xaver Peteranderl betonte, dass Betriebe jungen Menschen attraktive Ausbildungsangebote machen und diese Chance genutzt werde. Was steckt hinter dem Plus, und was bedeutet das für den Fachkräftemangel im Handwerk?
Was die Zahlen zeigen
Im ersten Halbjahr 2026 wurden im bayerischen Handwerk deutlich mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahreszeitraum. Der Bayerische Handwerkstag wertet das als klares Signal, dass das Handwerk als Ausbildungsweg attraktiver geworden ist. Besonders stark zugelegt haben technische Berufe wie Elektroniker, Anlagenmechaniker und Kfz-Mechatroniker, die von der Energie- und Mobilitätswende profitieren und gute Verdienstmöglichkeiten bieten.
Auch im Bauhandwerk sind mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen worden, was überraschend ist angesichts der schwierigen Konjunkturlage. Offenbar signalisieren Betriebe mit ihrer Ausbildungsbereitschaft Zuversicht in die mittelfristige Entwicklung.
Warum der Trend positiv ist, aber nicht ausreicht
Ein Plus bei Ausbildungsverträgen ist erfreulich, löst den Fachkräftemangel im Handwerk aber nicht. Erstens ist die absolute Zahl der Auszubildenden im Handwerk in Bayern in den vergangenen zehn Jahren per Saldo gesunken, das aktuelle Plus kompensiert frühere Rückgänge nur teilweise. Zweitens schließen nicht alle Auszubildenden ihre Ausbildung erfolgreich ab: Abbruchquoten von 20 bis 30 Prozent in manchen Berufen sind ein ernstes Problem. Und drittens verlassen viele Absolventen das Handwerk nach kurzer Zeit, um ins Angestelltenverhältnis bei Industriebetrieben zu wechseln, die höhere Löhne zahlen.
Für Betriebe bedeutet das: Ausbildung allein reicht nicht. Wer gute Azubis gewinnen und halten will, muss auch als Arbeitgeber attraktiv sein. Faire Vergütung, moderne Ausstattung, gutes Betriebsklima und klare Entwicklungsperspektiven sind heute keine Kür, sondern Pflicht. Den strukturellen Kontext liefert der Artikel Handwerk Bayern: Warum Ausbildung die wichtigste Antwort ist.
Was das Reformpaket der Bundesregierung mit Ausbildung zu tun hat
Der Bayerische Handwerkstag hat sich auch zum aktuellen Reformpaket der Bundesregierung geäußert. Peteranderl kritisierte die geplante Reduzierung der Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen als falsches Signal. Wer Handwerksleistungen steuerlich unattraktiver mache, dämpfe die Nachfrage, was letztlich auch Ausbildungsplätze gefährde. Das Handwerk fordert stattdessen steuerliche Erleichterungen für Ausbildungsbetriebe und einfachere Bürokratie bei der Ausbildungsverwaltung. Den Hintergrund zu Steueränderungen für Betriebe bietet der Artikel Wichtige Änderungen für bayerische Unternehmen in 2026.
Quelle: Zusammenfassung nach Angaben des Bayerischen Handwerkstags, Pressemitteilung vom 2. Juli 2026 unter https://www.dasbayerischehandwerk.de
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