Das Klinikum Nürnberg hat im Rahmen eines Pilotprojekts konkrete Wege zu mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen erprobt. Bayern Innovativ hat das Projekt begleitet und die Ergebnisse jetzt veröffentlicht. Wie können Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren, ohne dabei Qualität und Versorgungssicherheit zu gefährden?
Warum Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen so schwierig ist
Krankenhäuser gehören zu den energieintensivsten Gebäudetypen überhaupt. Sie müssen 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr betrieben werden. Hygiene- und Sicherheitsanforderungen lassen wenig Spielraum für Kompromisse. Gleichzeitig verbrauchen Kliniken enorme Mengen an Einwegmaterial, produzieren große Mengen medizinischen Abfalls und betreiben umfangreiche Fuhrparks für Patienten- und Materialtransporte.
Das Pilotprojekt am Klinikum Nürnberg hat gezeigt, dass trotz dieser Rahmenbedingungen erhebliche Einsparungen möglich sind. Der Schlüssel liegt in einer systematischen Analyse der Verbrauchsstellen und einer Priorisierung nach Einsparpotenzial und Umsetzbarkeit.
Was das Pilotprojekt konkret erreicht hat
Am Klinikum Nürnberg wurden in mehreren Bereichen Maßnahmen erprobt. Im Energiebereich wurden Beleuchtungsanlagen auf LED umgestellt, Wärmerückgewinnungssysteme optimiert und das Lüftungsmanagement in weniger genutzten Bereichen intelligenter gesteuert. Im Bereich Beschaffung wurde geprüft, welche Einwegprodukte durch Mehrweglösungen ersetzt werden können, ohne Hygienestandards zu gefährden. Und im Bereich Mobilität wurden erste Schritte zur Elektrifizierung des Fuhrparks unternommen.
Die Ergebnisse waren überzeugend: In den Pilotbereichen konnten Energiekosten und CO2-Emissionen spürbar reduziert werden. Wichtig ist dabei, dass die erzielten Einsparungen nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch relevant sind. Für ein Krankenhaus der Größe des Klinikums Nürnberg kann eine Reduktion des Energieverbrauchs um wenige Prozentpunkte Einsparungen in siebenstelliger Höhe bedeuten.
Was andere Einrichtungen übernehmen können
Die Erkenntnisse aus Nürnberg lassen sich auf andere Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in Bayern übertragen. Entscheidend ist der Einstieg über eine fundierte Verbrauchsanalyse. Wer nicht weiß, wo Energie und Material verbraucht werden, kann nicht gezielt einsparen. Energieaudits, oft durch staatliche Programme gefördert, sind ein sinnvoller erster Schritt.
Beschaffungsentscheidungen sind ein weiterer Hebel. Großkliniken haben Einkaufsmacht und können Lieferanten zu mehr Nachhaltigkeit bewegen. Kleinere Einrichtungen können sich in Einkaufsgemeinschaften zusammenschließen, um ähnlichen Einfluss zu gewinnen. Auch die Sensibilisierung des Personals spielt eine Rolle: Mitarbeitende, die verstehen, warum Ressourcensparen wichtig ist, handeln im Alltag anders.
Bayern Innovativ bietet Unternehmen und Einrichtungen Unterstützung bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten, unter anderem durch Vernetzungsformate, Beratungsangebote und den Zugang zu Förderprogrammen. Für das Gesundheitswesen ist das Thema besonders dringlich, weil der politische und gesellschaftliche Druck zur Nachhaltigkeit wächst und gleichzeitig die Finanzierungsbedingungen für Kliniken angespannt bleiben. Den Hintergrund zur Krankenhausfinanzierung liefert der Artikel Krankenhausfinanzierung in Bayern.
Quelle: Zusammenfassung nach Angaben von Bayern Innovativ, Pressemitteilung zum Pilotprojekt Nachhaltigkeit Klinikum Nürnberg, Mai 2026 unter https://www.bayern-innovativ.de
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