Das Bayerische Landesamt für Statistik hat heute eine bemerkenswerte Zahl veröffentlicht: Die Hälfte der bayerischen Bevölkerung gilt als übergewichtig. Was auf den ersten Blick wie ein Gesundheitsthema wirkt, hat für Arbeitgeber im Freistaat konkrete wirtschaftliche Relevanz. Betriebliches Gesundheitsmanagement, kurz BGM, ist eine der wirkungsvollsten Maßnahmen, mit denen Unternehmen diesem Trend entgegenwirken können.
Was die Statistik bedeutet
Als übergewichtig gilt, wer einen Body-Mass-Index von 25 oder höher hat. Adipositas, also krankhaftes Übergewicht, beginnt ab einem BMI von 30. Laut den aktuellen Daten des Statistischen Landesamts ist eine erhebliche Zahl der bayerischen Erwerbstätigen betroffen. Das hat direkte Auswirkungen auf den Arbeitsalltag: Übergewicht erhöht das Risiko für Rückenbeschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Schlafapnoe. All das führt zu mehr Fehlzeiten, niedrigerer Arbeitsleistung und höheren Kosten für Krankenversicherungen und Betriebe.
Warum BGM kein Nice-to-have ist
Betriebliches Gesundheitsmanagement wird in Bayern noch immer von vielen Betrieben als Zusatzleistung für große Unternehmen wahrgenommen. Das ist ein Irrtum. Selbst kleine Betriebe können mit überschaubarem Aufwand erhebliche Wirkung erzielen. Gesunde Mitarbeitende sind produktiver, motivierter und weniger oft krank. Der Return on Investment von BGM-Maßnahmen liegt laut wissenschaftlichen Studien im Durchschnitt bei einem Faktor von zwei bis vier. Das heißt: Jeder investierte Euro bringt zwei bis vier Euro zurück, vor allem durch sinkende Fehlzeiten.
Für Arbeitgeber im Fachkräftewettbewerb hat BGM zudem eine Recruiting-Wirkung. Unternehmen, die aktiv in die Gesundheit ihrer Belegschaft investieren, signalisieren Wertschätzung und werden als attraktivere Arbeitgeber wahrgenommen. Das ist in einem angespannten Arbeitsmarkt ein echter Vorteil. Den strukturellen Rahmen beleuchtet der Artikel Arbeitskräftebedarf in Bayern dürfte langfristig wieder steigen.
Konkrete Maßnahmen für bayerische Unternehmen
BGM muss kein teures Programm mit eigenem Fitnessstudio sein. Folgende Maßnahmen sind auch für kleinere Betriebe realistisch umsetzbar.
Gesunde Ernährung am Arbeitsplatz beginnt schon mit kleinen Veränderungen: Obst statt Süßigkeiten in der Gemeinschaftsküche, ein gutes Verpflegungsangebot in der Kantine oder subventionierte Mahlzeiten mit ausgewogenen Optionen. Das kostet wenig, hat aber einen messbaren Einfluss auf Ernährungsgewohnheiten, besonders wenn Mitarbeitende unter Zeitdruck stehen und sich sonst schnell und ungesund versorgen würden.
Bewegungsförderung muss nicht mit Laufgruppen oder Yoga-Kursen beginnen. Höhenverstellbare Schreibtische, die Möglichkeit für kurze aktive Pausen und die Förderung des Radwegs zur Arbeit durch ein Jobrad-Leasing sind niederschwellige Einstiege. Wer mehr investieren will, kann mit lokalen Fitnessstudios Kooperationsverträge schließen, die Mitarbeitenden günstige Mitgliedschaften ermöglichen.
Psychische Gesundheit gewinnt an Bedeutung. Stress, Überlastung und mangelnde Work-Life-Balance sind häufige Ursachen für Burnout und Erkrankungen, die indirekt auch das Körpergewicht beeinflussen. Flexible Arbeitszeiten, klare Kommunikation von Erwartungen und eine offene Führungskultur sind wirksame Präventionsmaßnahmen, die nichts kosten außer Aufmerksamkeit. Den Zusammenhang mit Homeoffice und flexiblem Arbeiten beleuchtet der Artikel Homeoffice-Recht in Bayern.
Steuerliche Förderung von BGM nutzen
Der Gesetzgeber fördert betriebliches Gesundheitsmanagement aktiv. Bis zu 600 Euro pro Mitarbeitenden und Jahr können Arbeitgeber steuer- und sozialabgabenfrei für gesundheitsfördernde Maßnahmen investieren, sofern diese bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Das gilt für zertifizierte Kurse zur Stressbewältigung, Rückenschule oder Ernährungsberatung. Arbeitgeber, die diesen Freibetrag noch nicht ausschöpfen, lassen Geld auf dem Tisch liegen. Mehr zu steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten für Unternehmen bietet der Artikel Wichtige Änderungen für bayerische Unternehmen in 2026.
Quelle: Zusammenfassung nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik, Pressemitteilung vom 2. Juni 2026 unter https://www.statistik.bayern.de/presse/mitteilungen/2026/pm143/index.html
Bildquellen
- uebergewicht-bgm-gesundheit: Pexels / Pavel Danilyuk

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