Jedes sechste Unternehmen in Bayern ist ein Handwerksbetrieb. Das zeigt die Handwerkszählung 2024, deren Ergebnisse das Bayerische Landesamt für Statistik jetzt veröffentlicht hat. Mit rund 210.000 Betrieben ist das Handwerk der größte Unternehmenssektor im Freistaat und beschäftigt über eine Million Menschen. Was verrät die Zählung über den Zustand und die Zukunft dieses Rückgrats der bayerischen Wirtschaft?
Was die Zählung konkret gemessen hat
Die Handwerkszählung ist eine alle vier bis sechs Jahre durchgeführte Vollerhebung aller handwerklichen Betriebe in Bayern. Sie erfasst Betriebszahl, Beschäftigte, Umsätze, regionale Verteilung und Branchenstruktur. Die aktuellen Daten aus dem Jahr 2024 zeigen ein differenziertes Bild: Die Zahl der Betriebe ist im Vergleich zur letzten Zählung leicht gesunken, während die durchschnittliche Betriebsgröße leicht gestiegen ist. Das deutet auf einen Konsolidierungsprozess hin: Kleinere Betriebe scheiden aus, überlebende wachsen moderat.
Regional konzentriert sich das Handwerk stark in Oberbayern und Mittelfranken, was der Bevölkerungsverteilung entspricht. In ländlichen Regionen ist das Handwerk aber proportional noch stärker vertreten als in Ballungszentren, weil es dort häufig der einzige Anbieter für Grundversorgungsleistungen ist. Ein Betrieb weniger in einem Landkreis kann bedeuten, dass die nächste Werkstatt 30 Kilometer entfernt ist.
Was die Zahlen über Fachkräfte und Ausbildung sagen
Die Handwerkszählung bestätigt, was Branchenvertreter seit Jahren betonen: Der Fachkräftemangel ist das drängendste Problem. Die Zahl der Auszubildenden ist in den vergangenen Jahren gesunken, obwohl die Betriebe aktiv ausbilden wollen. Zu wenige junge Menschen entscheiden sich für eine handwerkliche Ausbildung, weil das akademische Studium gesellschaftlich höher angesehen ist. Dabei bietet das Handwerk oft vergleichbare oder bessere Karriere- und Verdienstperspektiven als ein Studium, insbesondere wenn man den Weg in die Selbstständigkeit oder Betriebsübernahme einschlägt.
Für Ausbildungsbetriebe bedeutet das: Wer die Vorteile einer Handwerkskarriere nicht aktiv kommuniziert, findet keine Bewerber. Schulpartnerschaften, Praktika und eine aktive Social-Media-Präsenz sind heute notwendige Instrumente der Nachwuchsgewinnung. Wie Ausbildung zur Antwort auf den Fachkräftemangel wird, zeigt der Artikel Handwerk Bayern: Warum Ausbildung die wichtigste Antwort ist.
Was die Nachfolge-Herausforderung bedeutet
Ein weiteres zentrales Ergebnis der Zählung betrifft die Altersstruktur der Betriebsinhaber. Ein erheblicher Anteil der bayerischen Handwerksbetriebe wird in den nächsten zehn Jahren eine Nachfolgelösung brauchen. Findet sich kein Nachfolger, schließt der Betrieb, auch wenn er wirtschaftlich gesund ist. Das bedeutet Verlust von Arbeitsplätzen, Ausbildungsplätzen und lokalem Wirtschaftsleben.
Der Bayerische Handwerkstag hat das Thema Unternehmensnachfolge 2026 zu einem Schwerpunkt gemacht. Programme zur Nachfolgevermittlung und Beratungsangebote der Handwerkskammern sollen die Lücke schließen. Den Hintergrund dazu liefert der Artikel Unternehmensnachfolge im Handwerk: Bayern muss schnell handeln. Wer einen Betrieb übernehmen will, findet mit dem LfA Gründungskredit Smart eine passende Finanzierungsoption.
Was das Handwerk für die bayerische Wirtschaft leistet
210.000 Betriebe, über eine Million Beschäftigte, Milliardenumssätze: Das Handwerk ist nicht der glamouröseste Teil der bayerischen Wirtschaft, aber einer der wichtigsten. Es versorgt Haushalte, Unternehmen und Kommunen mit unverzichtbaren Leistungen, von der Elektroinstallation über die Heizungswartung bis zum Hausbau. Ohne ein starkes Handwerk funktioniert die Energiewende nicht, weil keine Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen installiert werden. Ohne Handwerk stockt die Digitalisierung, weil keine Glasfaserkabel verlegt werden. Das Handwerk ist systemrelevant, auch wenn es selten so wahrgenommen wird.
Quelle: Zusammenfassung nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik, Handwerkszählung 2024, Pressemitteilung vom 8. Juli 2026 unter https://www.statistik.bayern.de/presse/mitteilungen/2026/pm183/index.html
Bildquellen
- handwerk-zaehlung-werkzeug: Pexels / Pixabay
