F-16 Kampfjet auf Startbahn - Symbolbild Verteidigungswirtschaft Bayern

Verteidigungswirtschaft als neues Geschäftsfeld: Was die vbw bayerischen Betrieben rät

Der Verband der Bayerischen Wirtschaft sieht in der Verteidigungswirtschaft ein neues strategisches Wachstumsfeld für bayerische Unternehmen. Angesichts der deutlich gestiegenen Verteidigungsausgaben in Deutschland und Europa öffnen sich für Betriebe aus dem zivilen Bereich neue Möglichkeiten, Aufträge aus dem Rüstungs- und Sicherheitsbereich zu akquirieren. Was rät die vbw, und was müssen Unternehmen wissen, die in diesem Segment aktiv werden wollen?

Warum Verteidigungsausgaben gerade explodieren

Deutschland hat das NATO-Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben 2024 erstmals erreicht und überschritten. Das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro, das der Bundestag 2022 beschlossen hat, wird schrittweise abgerufen und fließt in Ausrüstung, Infrastruktur und Technologie. Auf europäischer Ebene hat die EU ihre Verteidigungskooperation deutlich ausgebaut und investiert massiv in gemeinsame Rüstungsprojekte.

Für Bayern als industriestarkes Bundesland mit einer traditionell starken Rüstungskomponente, man denke an KNDS, Airbus Defence oder Rohde und Schwarz, sind das erhebliche Wachstumsimpulse. Aber auch mittelständische Betriebe ohne bisherige Rüstungserfahrung können profitieren, wenn sie die richtigen Voraussetzungen erfüllen.

Welche Unternehmen besonders gefragt sind

Die vbw identifiziert mehrere Bereiche, in denen zivile Unternehmen besonders gefragt sind. Cybersicherheit und IT-Infrastruktur sind ein wachsendes Segment, weil die Bundeswehr und ihre Partner massive Investitionen in digitale Resilienz tätigen. Auch Logistik, Fahrzeugtechnik, Kommunikationstechnologie, Schutzausrüstung und Drohnentechnologie bieten Einstiegsmöglichkeiten für Unternehmen, die diese Produkte bislang für zivile Märkte produziert haben.

Besonders interessant ist der Bereich Dual-Use, also Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Sensortechnik, KI-Anwendungen, Bildverarbeitung und Kommunikationslösungen fallen häufig in diese Kategorie. Bayern mit seinen starken Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist hier gut aufgestellt. Der Zusammenhang zwischen KI-Forschung und Sicherheitsanwendungen zeigt sich etwa in dem Artikel Fraunhofer Bayern forscht gegen Deepfakes und Drohnenbedrohungen.

Was Unternehmen beachten müssen

Der Einstieg in die Verteidigungswirtschaft ist mit besonderen Anforderungen verbunden. Exportkontrollrecht, Sicherheitsüberprüfungen, besondere Qualitätsnormen und lange Beschaffungszyklen der Bundeswehr erfordern Vorbereitung und Geduld. Wer direkt mit dem Bund oder der NATO kontrahiert, muss strenge Compliance-Anforderungen erfüllen. Die vbw empfiehlt daher, zunächst als Unterauftragnehmer für etablierte Rüstungsunternehmen einzusteigen, um Erfahrungen zu sammeln, bevor man eigenständig in Ausschreibungen geht.

Beratung bieten die bayerischen IHKs sowie spezialisierte Verbände im Bereich Sicherheitswirtschaft. Wer sich informieren möchte, sollte frühzeitig den Dialog suchen und keine Berührungsängste mit dem Thema haben. Den regulatorischen Rahmen für IT-Sicherheitsanforderungen, die im Verteidigungsbereich besonders streng sind, beleuchtet der Artikel KRITIS-Dachgesetz: Was das neue IT-Sicherheitsgesetz bedeutet.


Quelle: Zusammenfassung nach Angaben des Verbands der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Analyse Verteidigungswirtschaft 2026 unter https://www.vbw-bayern.de

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