Als „Bester Gerüstbauer Bayerns“ wurde der Betrieb 2024 ausgezeichnet – doch diese Ehrung ist nur das jüngste Kapitel einer Geschichte, die weit zurückreicht. KOLB & KERN aus Aschaffenburg blickt auf mehr als 125 Jahre Handwerkstradition: Was 1898 als kleine Malerwerkstatt begann, ist heute ein Familienunternehmen in fünfter Generation, das zwei eigenständige Meisterbetriebe unter einem Namen führt. Ein Porträt über Kontinuität, Wachstum und die Frage, wie sich traditionelles Handwerk in der Rhein-Main-Region weiterentwickelt.
Ein Familienbetrieb mit Wurzeln im 19. Jahrhundert
Die Firmengeschichte beginnt im Jahr 1898, als in Aschaffenburg eine Malerwerkstatt gegründet wird, aus der sich über die Jahrzehnte ein fest in der Region verwurzelter Handwerksbetrieb entwickelt. Generation für Generation wurde das Unternehmen innerhalb der Familie weitergegeben – heute wird es in fünfter Generation geführt und ist Meisterbetrieb der Handwerkskammer Unterfranken. Aschaffenburg liegt am Übergang zwischen Bayern und Hessen, und genau dieser geografische Zwischenraum prägt den Betrieb bis heute: Von hier aus werden Kunden auf beiden Seiten der Landesgrenze betreut.
Die Zeitleiste des Unternehmens liest sich wie ein kleines Stück bayerischer Wirtschaftsgeschichte: gegründet im ausgehenden 19. Jahrhundert, über Krisen und Aufschwünge hinweg stetig weiterentwickelt, ohne die Verbindung zum Handwerk zu verlieren. Fünf Generationen bedeuten auch: Fachwissen, Kontakte und Verantwortung wurden jeweils von einer Generation an die nächste übergeben.
Was KOLB & KERN von vielen anderen Familienunternehmen unterscheidet, ist die konsequente Erweiterung um eine zweite Handwerkssparte. Neben dem klassischen Malerhandwerk gehört seit 1991 ein eigener Gerüstbaubetrieb zum Unternehmen. Beide Sparten agieren als eigenständige Meisterbetriebe, teilen sich aber Standort, Logistik und den gemeinsamen Markenauftritt. Diese Doppelstruktur ist im deutschen Handwerk eher ungewöhnlich – und sie prägt die Entwicklung bis heute: Der Malerbetrieb steht für mehr als 125 Jahre Erfahrung an Fassaden und in Innenräumen, der Gerüstbau für über drei Jahrzehnte technisches Arbeiten in der Höhe.
Gerüstbau als zweites Standbein
Die Gründung der Gerüstbau GmbH im Jahr 1991 markierte den strategischen Schritt in das zweite Standbein. Das Unternehmen für Gerüstbau in Aschaffenburg ist heute im gesamten Rhein-Main-Gebiet, in Unterfranken und im Spessart tätig – der Tätigkeitsradius umfasst rund 75 Kilometer. Drei Gerüstbaumeister sorgen dafür, dass Planung und Ausführung auch bei komplexen Vorhaben in festen Händen liegen, und als Ausbildungsbetrieb stellt der Betrieb den eigenen Fachkräftenachwuchs selbst sicher.
Die Zeitmarken zeigen, wie konsequent dieser Zweig ausgebaut wurde: 2005 erweiterte das Unternehmen sein Logistikzentrum auf 12.000 Quadratmeter Lagerfläche – eine Voraussetzung dafür, Material für mehrere Großbaustellen gleichzeitig vorzuhalten. 2018 folgte die Eröffnung des zweiten Standorts in Wiesbaden, wodurch sich die Anfahrtswege zu Kunden im hessischen Teil des Rhein-Main-Gebiets deutlich verkürzten. Die Standorte Aschaffenburg und Wiesbaden bilden seitdem das Rückgrat für ein Einzugsgebiet, das Stadtregionen ebenso abdeckt wie ländliche Gebiete des Spessarts. Aus der einstigen Ergänzung des Malergeschäfts ist so ein eigenständiger, technisch anspruchsvoller Fachbetrieb mit mehr als 33 Jahren Erfahrung geworden.
Diese Infrastruktur ist in einer Region mit dicht gedrängtem Bau- und Industriegeschehen ein echter Vorteil: Zwischen Frankfurt, Würzburg und dem Spessart entstehen fortlaufend Sanierungs- und Neubauprojekte, bei denen kurze Wege und schnelle Verfügbarkeit zählen.

Auszeichnung und Leistungsspektrum im Gerüstbau
Der Titel „Bester Gerüstbauer Bayerns“, den das Unternehmen 2024 erhielt, bündelt diese Entwicklung in einer Auszeichnung. Sie ging an Leon Kern und würdigt damit einen Betrieb, der Sicherheit und Qualität konsequent in den Mittelpunkt stellt. Für Bauherren und Industriekunden ist das ein nachprüfbarer Hinweis darauf, dass der Anspruch höchster Sicherheitsstandards nicht nur auf der eigenen Website steht, sondern auch extern bewertet wurde.
Konkret zeigt sich das Leistungsspektrum beim Blick auf die Baustellen: Fassadengerüste in verschiedenen Breiten bis zur Lastklasse 6 dienen Neubau, Sanierung und Renovierung – die Lastklasse definiert dabei, welche Flächenlast ein Gerüst tragen darf, und Klasse 6 steht für die höchsten Anforderungen der Norm. Für hohe Räume, Kirchen und Industriehallen kommen Raumgerüste zum Einsatz, Schutzgerüste und Schutzdächer sichern Arbeitsbereiche und Passanten ab. Hinzu kommen Sonderkonstruktionen wie Hänge- und Brückengerüste, Treppentürme nach DIN EN 12811 und Wetterschutzdächer mit bis zu 40 Metern Spannweite, ergänzt um Gerüstvermietung, Bauaufzüge und eine eigene 3D-Planung inklusive Statikberechnung.
Die Referenzliste reicht von der Stiftsbasilika Aschaffenburg über die Main-Schleusen bis zur russisch-orthodoxen Kirche in Wiesbaden – Bauwerke, bei denen Präzision und Sicherheit im Vordergrund stehen und jede Konstruktion individuell geplant werden muss. Gerade solche Projekte zeigen, warum der Betrieb auf eigene Planungskapazität setzt: Wer Materialbestand, Logistik und Statik im Haus bündelt, kann Termine verlässlicher kalkulieren und auf eng getaktete Baustellen kurzfristig reagieren.
Der Malerbetrieb: Präzision auf der Oberfläche
Die zweite Sparte ist zugleich die älteste: Der Malerbetrieb führt die Tradition der Gründungswerkstatt von 1898 fort. Zum Alltag gehören Fassadenarbeiten und Wärmedämm-Verbundsysteme ebenso wie Lackierungen, Tapezierarbeiten und Bodenbeschichtungen; das Portfolio reicht von denkmalgeschützten Gebäuden bis zu Wohnungen, Büros und Ladenlokalen. Am Anfang vieler Projekte steht eine Farbberatung mit einem durchdachten Gestaltungskonzept.
Eine echte Spezialität des Hauses sind italienische Spachtelputze: Marmorino, Stucco Veneziano, Travertin und Kalkputze werden direkt aus Italien importiert und in traditionellen Techniken von Hand verarbeitet. Die glänzenden, marmorartigen Oberflächen verlangen Erfahrung und ein geschultes Auge – jede Wand entsteht in mehreren Arbeitsgängen und ist ein Unikat. Genau diese handwerkliche Tiefe hat dem Betrieb weit über die Stadtgrenze hinaus einen Namen gemacht.
Zu den bekanntesten Referenzen der Malersparte zählen das Aschaffenburger Museumsquartier, wo der Betrieb die Stellwände des Christian-Schad-Museums mit mineralischen Le-Corbusier-Farben von KEIM beschichtete, sowie die Villa Fischerhohle, für die eine hochwertige Innenraumgestaltung mit italienischen Spachtelputzen und individuell abgestimmter Farbkonzeption entstand. Beide Projekte stehen exemplarisch für Ansprüche, die über das übliche Malergeschäft hinausgehen.
Das Zusammenspiel beider Sparten ist dabei mehr als ein organisatorischer Nebeneffekt: Bei Sanierungsprojekten lassen sich Gerüststellung und Fassadenarbeiten aus einer Hand abstimmen, was Schnittstellen reduziert und Abläufe beschleunigt.
Ausblick für die Region
Für die Region Rhein-Main bedeutet die Konstellation aus zwei Meisterbetrieben vor allem Planungssicherheit: Wer in Aschaffenburg, Wiesbaden oder im Spessart ein Bauvorhaben angeht, findet bei KOLB & KERN einen Ansprechpartner, der sowohl die Arbeit in der Höhe als auch die Gestaltung der Oberfläche abdeckt. Als Ausbildungsbetrieb investiert das Unternehmen außerdem in den eigenen Nachwuchs – in einer Branche mit spürbarem Fachkräftemangel ein Faktor, der auch für die Wirtschaftsregion zählt.
Die Bedeutung solcher Betriebe geht über einzelne Aufträge hinaus: Sie sichern Ausbildungsplätze, halten Fachwissen in der Region und prägen das Bild des Mittelstands zwischen Main und Spessart. Über 125 Jahre Firmengeschichte und ein zweites, preisgekröntes Standbein zeigen jedenfalls, wie regionales Handwerk wachsen kann, ohne seine Wurzeln aufzugeben.
Bildquellen
- KOLB & KERN aus Aschaffenburg: https://www.kolb-kern.de/geruestbau#ueber-uns
