Industrie-Ingenieure bei der Zusammenarbeit in einer Fabrik als Symbolbild fuer IG Metall Bayern 2027

IG Metall Bayern 2027: Tarifabschluss, Forderungen & Prognose

IG Metall Bayern 2027 ist für viele Beschäftigte das Stichwort der nächsten großen Tarifrunde. Frisch ist der Abschluss in der bayerischen Holz- und Kunststoffindustrie vom Januar 2026, der für rund 10.000 Beschäftigte 4,2 Prozent mehr Geld in zwei Stufen, mehrere Einmalzahlungen und eine Laufzeit bis Ende Januar 2028 bringt. Dieser Ratgeber gibt einen kompakten Überblick zum aktuellen Tarifvertrag, zur kommenden Tarifrunde Metall und Elektro im Herbst 2027, zu den zentralen Forderungen, Akteuren und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Aktueller Tarifvertrag IG Metall Bayern: Holz und Kunststoff

Die rund 10.000 tarifgebundenen Beschäftigten der bayerischen Holz und Kunststoffindustrie erhalten in zwei Stufen 4,2 Prozent mehr Geld: zum 1. Juni 2026 zunächst 2,0 Prozent, zum 1. Juli 2027 weitere 2,2 Prozent. Im April 2026 fließt eine Einmalzahlung von 200 Euro, im Oktober 2026 erhalten die unteren Entgeltgruppen weitere 200 Euro. Das Verhandlungsergebnis aus Reichertshofen wurde im Januar 2026 erzielt und gilt als Tarifergebnis eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds. Die Ausbildungsvergütungen steigen in zwei Stufen um insgesamt 90 Euro, Auszubildende bekommen zusätzlich eine Einmalzahlung von 150 Euro. Teilzeitbeschäftigte erhalten Einmalzahlungen anteilig. Bei schwieriger wirtschaftlicher Lage im Betrieb können die Einmalzahlungen bis maximal April 2027 verschoben werden. Die Laufzeit endet am 31. Januar 2028. IG Metall-Verhandlungsführer Matthias Fuchs nannte den Abschluss „kein Ergebnis zum Jubeln, aber eines, das in die Zeit passt“: Spürbare Entgeltsteigerungen und eine finanzielle Anerkennung für die Kollegen seien gelungen.

Tarifrunde Metall und Elektro 2027: Wie sie abläuft

Eine Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie folgt einem festen Muster. Erstens: Forderungsfindung in den Betrieben durch Befragung der Mitglieder. Zweitens: Beschluss der Tarifkommission und Forderungsempfehlung. Drittens: Verhandlungen zwischen IG Metall und Arbeitgebern, in Bayern dem Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (vbm). Viertens: Bei fehlender Einigung Warnstreiks und Aktionen der Beschäftigten zur Stärkung der IG Metall Verhandlungsführer. Fünftens: Schlichtung als letzte Option. Sechstens: Tarifabschluss mit Zustimmung der Tarifkommission.

Akteure: IG Metall, vbm und Gesamtmetall

Auf Arbeitnehmerseite verhandelt der IG Metall Bezirk Bayern, geführt von Bezirksleiter Horst Ott. Auf Arbeitgeberseite agieren der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm) und der Bundesverband Gesamtmetall. Beide Tarifparteien wirken in einem komplexen Geflecht aus regionaler Verhandlung in Bayern und bundesweiter Koordinierung über Pilotabschlüsse. Bei der Tarifrunde 2024 waren es Bayern und Baden-Württemberg, die zentrale Pilotabschlüsse für die deutsche Metall- und Elektroindustrie lieferten.

Vergleich der letzten Tarifabschlüsse in Bayern

JahrBrancheErhöhungEinmalzahlungLaufzeit
2022Metall & Elektro5,2 % + 3,3 %3.000 € Inflationsausgleich24 Monate
2024Metall & Elektro3,1 % + 2,5 %keine25 Monate (bis Okt. 2026)
2026Holz & Kunststoff Bayern2,0 % + 2,2 %200 € + 200 € (untere)bis Januar 2028

Forderungen für die Tarifrunde 2027

Die zentralen Forderungen der IG Metall Bayern für die Tarifrunde 2027 zeichnen sich bereits ab. Im Mittelpunkt steht eine kräftige Entgelterhöhung zur Stärkung der Kaufkraft der Beschäftigten, die in den letzten Jahren durch Inflation gelitten hat. Daneben spielen Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und das Tarifliche Zusatzgeld (T-ZUG) eine wichtige Rolle. Ein weiterer Schwerpunkt ist Beschäftigungssicherung in der Transformation, also angesichts E-Mobilität, Digitalisierung und drohender Arbeitsplatzverluste in der Autozulieferer-Branche. Qualifizierung und Weiterbildung sollen tariflich abgesichert werden.

4-Tage-Woche und Arbeitszeitverkürzung

Die IG Metall Bayern hat in den letzten Jahren positive Erfahrungen mit Arbeitszeitverkürzung in der Stahlindustrie gemacht. Eine 4-Tage-Woche ist 2027 nicht das primäre Forderungsfeld in der Metall- und Elektroindustrie, das Thema steht aber als langfristige Strategie auf der Agenda. Realistischer ist eine Erweiterung der Wahloption zwischen Geld und Freizeit beim T-ZUG.

Qualifizierung, Weiterbildung und Beschäftigungssicherung

Mit dem Wandel zur Elektromobilität und der Digitalisierung der Produktion entstehen neue Tätigkeitsprofile. Die IG Metall fordert tarifliche Ansprüche auf bezahlte Weiterbildung, Transformationsgeld und Beschäftigungsgarantien an Standorten in Bayern. Diese Themen werden in der Industrie immer wichtiger.

Prognose 2027: Lohn- und Gehaltsforderung

Realistische Forderungs-Szenarien für die Tarifrunde Metall und Elektro Bayern Herbst 2027: Basis-Szenario 6 bis 7 Prozent für 12 Monate, hohes Szenario bis 8 Prozent (bei höherer Inflation), niedriges Szenario 5 Prozent (bei stabiler Lage). Der Abschluss dürfte bei 3,5 bis 4,5 Prozent in zwei Stufen mit Laufzeit von 18 bis 24 Monaten landen. Inflation, Konjunktur und die Reallohn-Entwicklung der vorhergehenden Tarifperiode sind die wichtigsten Variablen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen 2027

Die bayerische Metall- und Elektroindustrie steht 2027 unter Druck. Der Auftragseingang bei Auto-Zulieferern bricht durch die langsamere E-Auto-Nachfrage ein, hohe Energiepreise belasten energieintensive Betriebe, der Export ist durch globale Spannungen gestört. Gleichzeitig bietet die Transformation auch Chancen, etwa in der Halbleiterproduktion und der KI-Industrie. Das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Schwäche und Investitionsbedarf wird die Verhandlungen prägen.

Arbeitgeberposition und Gegenargumente

Die Arbeitgeber im vbm verweisen auf die wirtschaftliche Lage, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland und die hohen Arbeitskosten. Sie fordern moderate Abschlüsse, längere Laufzeiten und mehr Flexibilität. Bei Einmalzahlungen statt prozentualer Tabellenerhöhungen liegt häufig ein Kompromiss-Vorschlag.

Wie wird ein Tarifabschluss umgesetzt?

Nach dem Abschluss erfolgt die Zustimmung der Tarifkommission. Die neuen Entgelttabellen mit allen Entgeltgruppen werden im jeweiligen Stichtag wirksam. Die betriebliche Umsetzung obliegt dem Betrieb mit Unterstützung des Betriebsrats. Bei ERA-Eingruppierungen wird die Tarifsteigerung auf alle Stufen übertragen, Einmalzahlungen meist mit der nächsten Lohnabrechnung gezahlt.

Strategie der IG Metall Bayern bis 2027

Die strategischen Ziele der IG Metall Bayern bis 2027 umfassen Mitgliederbindung und -gewinnung in der Industrie, höhere Tarifbindung in nicht-tarifgebundenen Betrieben, Beschäftigungssicherung im Transformationsprozess sowie eine starke Verhandlungsposition durch hohe Mobilisierungsfähigkeit bei Aktionen und Warnstreiks. Foto-Bewegung mit Bewegung in den Betrieben, sichtbar bei jeder Tarifverhandlung.

Quellen

Daten zum aktuellen Tarifabschluss Holz- und Kunststoffindustrie Bayern stammen direkt von der IG Metall Bayern (bayern.igmetall.de) und der Bundes-IG-Metall (igmetall.de). Hintergrundinformationen liefern der DGB (dgb.de) und der vbm (baymevbm.de). Wirtschaftliche Einordnungen kommen vom ifo Institut, der Bundesbank und der bayerischen Wirtschaftspresse. Stand: April 2026, ohne Gewähr. Aktuelle Verhandlungstermine und Ergebnisse direkt bei der IG Metall einsehen.

Foto: Sergey Sergeev, Pexels (kostenlos nutzbar). Symbolbild für Industrie und Metall- und Elektroindustrie. Alle Angaben zu Tarifabschlüssen, Forderungen und Prognosen ohne Gewähr. Aktuelle Verhandlungsstände bei der IG Metall direkt einsehen.

Bildquellen

  • IG Metall Bayern 2027: https://www.pexels.com/photo/industrial-engineers-collaborating-in-factory-32845690/

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