Im bayerischen Burghausen wurde die erste Anlage zur Mast von Insekten im Freistaat eröffnet. Für dieses Projekt übergab Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger einen Förderbescheid über 880.000 Euro, wie aus einer Mitteilung der Staatsregierung hervorgeht.
In der neu errichteten Einrichtung nutzt die REPLOID Group AG organische Reststoffe wie Lebensmittel- und pflanzliche Nebenprodukte als Ausgangsmaterial. Diese werden aufbereitet und den Larven der schwarzen Soldatenfliege zugeführt, die diese Substrate in wenigen Tagen in eiweißreiche Biomasse umwandeln. Durch digital gesteuerte, klimatisierte Module („ReFarmUnits“) lassen sich die Larven effizient mästen und anschließend weiterverarbeiten. Nach der Mastphase werden die Larven und das Restmaterial getrennt: Die Insekten liefern Proteine für Tierfutter und industrielle Anwendungen, während der verbleibende sogenannte Frass als organischer Dünger verwendet werden kann.
Nach Angaben des Wirtschaftsministers adressiert das Vorhaben mehrere Herausforderungen gleichzeitig: Einerseits besteht im Agrarsektor ein wachsender Bedarf an hochwertigen Eiweißträgern für die Fütterung von Nutztieren. Gleichzeitig fallen in Bayern und bundesweit große Mengen organischer Reststoffe an, deren Entsorgung ökologisch und wirtschaftlich problematisch ist. Die Insektenmast nutzt diese Reststoffe, um hochwertige Biomasse zu erzeugen und fossile sowie importabhängige Ressourcen zu substituieren. Durch die Förderung im Rahmen des Programms „BayBioökonomie-Scale-UP“ soll die biologische Nutzung von Rest- und Nebenströmen gefördert werden.
Für Unternehmen und bayerische Betriebe könnte das Modell zusätzliche Perspektiven eröffnen. So lässt sich die Insektenmast in bestehende Betriebsstrukturen integrieren, etwa in Kombination mit Biogasanlagen: Die Abwärme dieser Anlagen kann zur Mast genutzt werden, und Produktionsnebenströme werden in Wertstoffe umgewandelt. Für landwirtschaftliche Betriebe entstehen damit potenziell neue Einnahmequellen und Möglichkeiten, Betriebsmittel effizienter zu verwerten.
Die Mast von Insektenlarven gilt in der Landwirtschaft zunehmend als Option zur Erzeugung nachhaltiger Proteine, insbesondere seit die EU die Nutzung bestimmter Insektenlarven als Futtermittel zugelassen hat. Branchenakteure sehen in Larven der schwarzen Soldatenfliege eine mögliche Ergänzung zu klassischen Futtermitteln wie Soja und Fischmehl, da sie regionale Reststoffe verwerten und den Bedarf an importierten Rohstoffen reduzieren können. Allerdings stehen der wirtschaftlichen Etablierung noch Herausforderungen gegenüber, etwa in der Kalkulation von Kosten-Nutzen-Relationen und in der Sicherstellung langfristiger Absatzwege. (Landvolk Niedersachsen
Quelle:
Zusammenfassung nach Angaben aus der Pressemitteilung unter https://www.bayern.de/880-000-euro-frderung-fr-erste-insektenmast-in-bayern/?seite=2453
Bildquellen
- Erste Insektenmast in Bayern erhält 880.000 Euro Förderung: Bild von Willfried Wende auf Pixabay