Im Mai 2026 treten tausende Azubis in rund 27.000 bayerischen Ausbildungsbetrieben zu ihren Berufsabschlussprüfungen an. BIHK-Präsident Klaus Josef Lutz betonte anlässlich des Prüfungsbeginns: Die bayerische Wirtschaft zählt angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels so stark wie nie zuvor auf ihren selbst ausgebildeten Nachwuchs. Was steckt hinter dieser Aussage, und warum lohnt sich Ausbildung für Unternehmen heute mehr denn je?
Warum die bestandene Prüfung für Betriebe so wichtig ist
Der erfolgreiche Abschluss einer Ausbildung ist der Moment, in dem die Investition eines Betriebs Früchte trägt. Über drei Jahre haben Ausbildungsbetriebe Zeit, Wissen, Unternehmenskultur und konkrete Fähigkeiten zu vermitteln. Ein Azubi, der besteht, kennt die Abläufe, die Kunden und die Kollegen bereits. Das ist ein Vorteil, der am externen Arbeitsmarkt nicht so einfach zu kaufen ist. Wer seinen Azubi nach der Prüfung übernimmt, spart sich Recruiting-Kosten, Einarbeitungszeit und das Risiko einer Fehlbesetzung.
Laut BIHK gibt es in Bayern derzeit rund 380.000 gemeldete Ausbildungsstellen. Die Zahl der Bewerber wächst zwar leicht, aber in vielen Berufen und Regionen übersteigt das Angebot an Stellen noch immer die Nachfrage. Betriebe, die heute ausbilden, sichern sich also Talente, die morgen als Fachkräfte fehlen werden.
In welchen Branchen ist Ausbildung besonders wertvoll
Das Handwerk leidet seit Jahren besonders unter dem Fachkräftemangel. Elektriker, Sanitär- und Heizungsinstallateure, Zimmerer und Maurer sind in ganz Bayern gesucht. Wer hier nicht selbst ausbildet, findet kaum Kandidaten auf dem freien Arbeitsmarkt. Ähnliches gilt für die Gastronomie, den Einzelhandel und Teile der Industrie. Im kaufmännischen Bereich ist das Bild etwas entspannter, aber auch hier schützt eigene Ausbildung vor dem teuren Kampf um Fachkräfte auf dem externen Markt.
Ein oft unterschätzter Faktor ist die Loyalität. Azubis, die fair behandelt und gut ausgebildet werden, bleiben ihrem Betrieb oft über viele Jahre treu. Das reduziert Fluktuation und stabilisiert Teams. Gerade in kleineren Betrieben, wo jeder Mitarbeitende eine wichtige Rolle spielt, ist das ein erheblicher Vorteil.
Was gute Ausbildung heute ausmacht
Die Anforderungen an Ausbildungsbetriebe haben sich verändert. Generation Z erwartet klare Kommunikation, Feedback, Sinnhaftigkeit der Aufgaben und eine moderne Lernumgebung. Betriebe, die Azubis wie günstige Arbeitskräfte behandeln und Lernen vernachlässigen, scheitern spätestens in der Prüfung oder verlieren den Nachwuchs kurz danach.
Gute Ausbilder investieren Zeit in Erklärungen, geben regelmäßig Rückmeldung und beziehen Azubis in echte Projekte ein. Digitale Lernmethoden, Ausbildungsapps und klare Ausbildungspläne helfen dabei, die Qualität zu sichern. Auch die Zusammenarbeit mit der Berufsschule ist wichtiger geworden: Betriebe, die den Berufsschulstoff kennen und ergänzen, haben eine deutlich höhere Bestehensquote.
Fördermöglichkeiten für Ausbildungsbetriebe
Bayern unterstützt Betriebe, die ausbilden, auf verschiedenen Wegen. Das Programm Ausbildungsbonus belohnt Betriebe, die zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen oder schwächere Bewerber integrieren. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt in bestimmten Fällen Kosten für ausbildungsbegleitende Hilfen. Auch die LfA Förderbank bietet Programme, die die Finanzierung von Ausbildungsinfrastruktur unterstützen. Wie der neue LfA Gründungskredit Smart zeigt, ist der Freistaat bereit, in Zukunftsthemen zu investieren. Ausbildung gehört dazu.
Ausblick: Wird es genug Azubis geben?
Die demografische Entwicklung macht mittelfristig weniger optimistisch. Die Jahrgänge, die jetzt ins Ausbildungsalter kommen, sind kleiner als die der vergangenen Jahrzehnte. Gleichzeitig konkurriert das duale Ausbildungssystem mit immer attraktiveren Hochschulangeboten, dualen Studiengängen und der Verlockung, nach dem Abitur sofort ins Studium zu gehen. Betriebe, die heute stark ausbilden und Ausbildung als echte Karriereoption positionieren, werden in zehn Jahren einen strukturellen Vorteil haben. Wer wartet, kämpft dann gegen alle anderen um eine schrumpfende Zahl von Bewerbern. Den strukturellen Hintergrund beleuchtet der Artikel Arbeitskräftebedarf in Bayern dürfte langfristig wieder steigen.
Quelle: Zusammenfassung nach Angaben des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK), Pressemitteilung vom 6. Mai 2026 unter https://www.bihk.de/presse.html
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