Isar Aerospace ist ein privates Raumfahrtunternehmen aus Ottobrunn bei München. Es entwickelt und baut die Trägerrakete Spectrum, die Kleinsatelliten in den Erdorbit bringen soll. Noch hat keine deutsche Rakete jemals einen Orbit erreicht. Isar Aerospace will das ändern.
Was ist Spectrum?
Eine zweistufige Trägerrakete. 28 Meter hoch, zwei Meter Durchmesser, gebaut aus Kohlefaserverbundwerkstoffen. Die erste Stufe hat neun Aquila-Triebwerke, die zweite Stufe eines. Alle Triebwerke hat Isar Aerospace selbst entwickelt.
Spectrum kann 1.000 Kilogramm in einen niedrigen Erdorbit und 700 Kilogramm in einen sonnensynchronen Orbit transportieren. Der Treibstoff ist Flüssigpropan kombiniert mit Flüssigsauerstoff. Propan verbrennt sauberer als das sonst übliche Kerosin und erzeugt weniger Rußablagerungen in den Triebwerken.
| Eigenschaft | Spectrum | Zum Vergleich: Electron (Rocket Lab) |
|---|---|---|
| Höhe | 28 m | 18 m |
| Nutzlast (LEO) | 1.000 kg | 320 kg |
| Nutzlast (SSO) | 700 kg | 200 kg |
| Treibstoff | Propan + LOX | Kerosin + LOX |
| Erstflug | März 2025 (Fehlschlag) | Mai 2017 |
Was passierte beim ersten Start?
Am 30. März 2025 hob Spectrum zum ersten Mal vom Weltraumbahnhof Andøya in Norwegen ab. Nach 30 Sekunden verlor die Rakete die Lagekontrolle und stürzte ins Meer.
Die Ursache: Ein Ventil öffnete sich unerwartet beim Beginn des Rollmanövers. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist bei Raketen aber ein schwerwiegendes Problem. Isar Aerospace überarbeitete daraufhin die Software und erhöhte die Sicherheitsmargen im System. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Erstflug einer neuen Rakete gelingt, liegt statistisch bei etwa 50 Prozent. SpaceX, Rocket Lab und Arianespace hatten bei ihren jeweiligen Erstflügen ebenfalls Fehlschläge.
Warum scheiterten auch die weiteren Startversuche?
Der zweite Flug („Onward and Upward“) wurde mehrfach verschoben. Am 25. März 2026 fuhr ein Fischerboot in die Sicherheitszone vor dem Startplatz. Der Countdown wurde angehalten. Als das Boot die Zone verließ, war der Treibstoff bereits zu warm für einen sicheren Start.
Der nächste Versuch am 9. April 2026 wurde wegen eines vermuteten Lecks in einem Druckbehälter abgebrochen. Ein neuer Termin steht noch aus. Solche Verschiebungen sind in der Raumfahrt normal. Sicherheit hat Vorrang vor Zeitplänen.
Warum ist Isar Aerospace strategisch wichtig?
Europa hat kein eigenes System, um schnell und flexibel Satelliten ins All zu bringen. Die Ariane 6 ist für schwere Nutzlasten konzipiert und startet von Französisch-Guayana. Für Kleinsatelliten fehlt ein europäischer Anbieter. Diese Lücke will Isar Aerospace füllen.
Der NATO Innovation Fund hat 2024/2025 direkt in Isar Aerospace investiert. Es war das erste Investment dieses Fonds in einen Startdienstleister. Das Signal: Flexible Startkapazitäten gelten als sicherheitsrelevante Dual-Use-Technologie. Wer im Krisenfall einen Aufklärungssatelliten schnell in den Orbit bringen muss, braucht eigene Raketen, nicht amerikanische.
Wie finanziert sich Isar Aerospace?
Rund 350 Millionen Euro Gesamtfinanzierung. Laut Bloomberg kam im März 2026 eine weitere Runde über 250 Millionen Euro dazu. Investoren sind unter anderem Lakestar, HV Capital, Earlybird, Airbus Ventures und der NATO Innovation Fund. Bayern Kapital stuft Isar Aerospace als das am stärksten kapitalisierte unabhängige New-Space-Unternehmen Europas ein.
Das Geld fließt in die Produktion. Die Raketen 3 bis 7 werden bereits am Standort bei München gebaut. 2026 soll eine neue Fabrik mit 40.000 Quadratmetern Fläche eröffnen.
Was bedeutet Isar Aerospace für Bayern?
Das Unternehmen beschäftigt über 400 Mitarbeiter aus mehr als 50 Nationen. Der Hauptsitz in Ottobrunn liegt im Münchner Technologiegürtel, in direkter Nachbarschaft zu Airbus Defence and Space und dem DLR. Die Gründer Daniel Metzler, Josef Fleischmann und Markus Brandl kommen von der TU München.
Für den Standort Bayern ist Isar Aerospace ein Test: Kann aus der Münchner Tech-Szene ein Raumfahrtkonzern wachsen, der mit amerikanischen Anbietern konkurriert? Die Antwort steht noch aus. Aber allein die Tatsache, dass die erste deutsche Orbitalrakete aus Bayern kommt, ist bemerkenswert.
Isar Aerospace auf einen Blick
| Firmenname | Isar Aerospace Technologies GmbH |
| Sitz | Ottobrunn bei München, Bayern |
| Gegründet | 2018 |
| Gründer | Daniel Metzler, Josef Fleischmann, Markus Brandl |
| Mitarbeiter | Über 400 |
| Finanzierung | ca. 350 Mio. Euro (+ 250 Mio. EUR 2026) |
| Produkt | Spectrum Trägerrakete |
| Startplatz | Andøya Spaceport, Norwegen (exklusiv, 20 Jahre) |
| Website | isaraerospace.com |
Bildquellen
- isar-aerospace-startseite: Screenshot: isaraerospace.com
