Frauen in Führungspositionen sind in der bayerischen Wirtschaft nach wie vor unterrepräsentiert. Der Verband der Bayerischen Wirtschaft hat das Thema im März 2026 auf einer eigenen Projektveranstaltung behandelt. vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt betonte dabei die wirtschaftliche Dimension: Wer auf weibliche Führungskräfte verzichtet, verschenkt Potenzial in einem Arbeitsmarkt, der schon jetzt unter Fachkräftemangel leidet.
Warum Frauenförderung kein Zugeständnis, sondern Strategie ist
Unternehmen, die Frauen systematisch in Führungsrollen bringen, profitieren auf mehreren Ebenen. Studien zeigen, dass gemischte Führungsteams bessere Entscheidungen treffen, weil unterschiedliche Perspektiven blinde Flecken reduzieren. Zudem steigt die Arbeitgeberattraktivität: Gut ausgebildete Bewerberinnen wählen Unternehmen, die erkennbar auf Gleichstellung setzen. Wer das nur als Reaktion auf politischen Druck sieht, übersieht den strategischen Vorteil. Der Artikel Arbeitskräftebedarf in Bayern dürfte langfristig wieder steigen zeigt, warum jedes Talentpotenzial gebraucht wird.
Was die EU-Gehaltstransparenz ändert
Ab Juni 2026 gilt die EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Sie verpflichtet Unternehmen ab 100 Beschäftigten, geschlechtsspezifische Lohnunterschiede offenzulegen. Liegt der Unterschied ohne sachliche Begründung über fünf Prozent, müssen gemeinsam mit dem Betriebsrat Maßnahmen ergriffen werden. Das macht strukturelle Benachteiligungen sichtbar und setzt Betriebe unter konkreten Handlungsdruck. Wer jetzt vorbereitet ist, vermeidet nicht nur Bußgelder, sondern gewinnt auch intern an Vertrauen. Alle Details erklärt der Artikel EU-Gehaltstransparenz ab Juni 2026.
Besonders relevant ist dabei die Beweislastumkehr: Nicht mehr die Arbeitnehmerin muss eine Diskriminierung nachweisen, sondern der Arbeitgeber muss belegen, dass keine vorliegt. Das verändert die rechtliche Ausgangslage grundlegend. Unternehmen, die ihre Gehaltsstrukturen bisher wenig systematisch dokumentiert haben, sollten das jetzt nachholen.
Konkrete Ansätze für bayerische Unternehmen
Frauenförderung braucht keine großen Programme, sondern klare Strukturen. Ein erster Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wie viele Frauen sind in den Führungsebenen vertreten? Wo brechen Karrieren ab? Welche Rahmenbedingungen, zum Beispiel fehlende Teilzeitmöglichkeiten oder unflexible Besprechungszeiten, wirken als unsichtbare Hürden?
Mentoring-Programme, bei denen erfahrene Führungskräfte Nachwuchstalente begleiten, haben sich in vielen Unternehmen bewährt. Flexible Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit, auch in Teilzeit Führungsverantwortung zu übernehmen, sind weitere Stellschrauben. Nicht zuletzt spielt die Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle: Wer intern offen über Karriereziele spricht und Frauen aktiv auf Führungspositionen anspricht, verändert die Dynamik nachhaltig. Die Haltung der Arbeitgeberverbände zu diesem Thema beschreibt der Artikel Arbeitgeberverbände betonen Bedeutung von Frauenförderung.
Bayern hat Nachholbedarf
Im bundesweiten Vergleich schneidet Bayern beim Anteil von Frauen in Führungspositionen im Mittelfeld ab. Gerade in traditionellen Industrie- und Handwerksbranchen ist der Frauenanteil in leitenden Positionen noch gering. Das hat historische Gründe, aber keine Zukunft. Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel machen es wirtschaftlich irrational, qualifizierte Frauen nicht in Führungsverantwortung zu bringen. Unternehmen, die das jetzt erkennen und handeln, sichern sich einen Vorsprung im Wettbewerb um die besten Talente.
Quelle: Zusammenfassung nach Angaben des Verbands der Bayerischen Wirtschaft (vbw) und weiteren öffentlich zugänglichen Informationen, März/April 2026
Bildquellen
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