August Böhm: Münchner Stuckhandwerk zwischen historischer Substanz und präziser Rekonstruktion

Wer durch München geht, begegnet an vielen älteren Gebäuden einer Handwerkskunst, die leicht übersehen wird. Gesimse strukturieren Fassaden, Ornamente rahmen Fenster, profilierte Flächen geben einem Haus seinen Rhythmus. Solche Details zu erhalten, ist anspruchsvoller, als beschädigte Stellen einfach auszubessern. Material, Form und handwerkliche Technik müssen zum Bestand passen. Genau in diesem Feld arbeitet die August Böhm Bau- und Stuckgeschäft GmbH.

Der Münchner Meisterbetrieb blickt nach eigenen Angaben auf eine Tradition seit 1895 zurück. 1954 übernahm der Vater des früheren Betriebsinhabers Klaus Dimperl das Geschäft vom Gründer August Böhm. Heute wird die GmbH von Geschäftsführer Stephan Graf vertreten. Inhaltlich ist die historische Linie weiterhin deutlich erkennbar: Im Mittelpunkt stehen Stuckarbeiten, Fassadenrestaurierungen, Innen- und Außenputz sowie Aufgaben in der Denkmalpflege.

Stuckateurarbeit beginnt mit dem Bestand

Bei historischen Gebäuden lässt sich selten nach einem festen Schema vorgehen. Eine Fassade kann Bereiche mit intaktem Altputz, Hohlstellen, früheren Ausbesserungen und beschädigten Schmuckelementen zugleich aufweisen. Bevor eine Oberfläche erneuert wird, kommt es deshalb darauf an, ihren Zustand und Aufbau zu verstehen.

August Böhm beschreibt für Fassaden unter anderem das Abklopfen von Hohlstellen sowie das gezielte Abnehmen, Ergänzen und Ausbessern einzelner Bereiche. Gerade bei erhaltenswerter Bausubstanz ist dieser differenzierte Umgang entscheidend. Wer für solche Arbeiten einen kompetenten Stuckateur in München sucht, benötigt schließlich einen Betrieb, der historische Materialien und traditionelle Techniken ebenso beherrscht wie die Rekonstruktion verlorener Formen.

Zum Leistungsspektrum gehören Stuckfassaden, historische Fassaden und Arbeiten im Denkmalschutz. Fensterfaschen, Gesimse oder plastische Ornamente können restauriert und rekonstruiert werden. Auch neue Stuckteile werden modelliert. Damit geht die Tätigkeit deutlich über das bloße Verputzen einer Außenwand hinaus: Es geht häufig darum, die architektonische Gliederung eines Gebäudes wieder lesbar zu machen.

Kalk, Struktur und die Frage nach dem richtigen Material

Interessant ist der Blick auf die verwendeten Werkstoffe. Für historische Bausubstanz hält der Betrieb nach eigenen Angaben Sumpfkalk mit unterschiedlichen Lagerungszeiten in eigenen Kalkgruben vor. Das wirkt zunächst wie ein Detail, sagt über die Arbeitsweise jedoch einiges aus. Bei einer Restaurierung muss das neue Material mit dem vorhandenen Aufbau harmonieren; moderne Standardlösungen sind dafür nicht in jedem Fall geeignet.

Auch beim Außenputz arbeitet August Böhm mit verschiedenen traditionellen Oberflächen. Genannt werden etwa Besenzug und Kammzug, glatt geschweißte Flächen sowie Kratz-, Reibeputz- und Spritzwurfstrukturen. Welche Ausführung passt, hängt von Architektur, Bestand und gewünschtem Erscheinungsbild ab. Gerade historische Fassaden gewinnen ihren Charakter schließlich oft durch Unterschiede in Körnung, Struktur und Verarbeitung – Details, die aus größerer Entfernung kaum auffallen und das Gesamtbild trotzdem wesentlich bestimmen.

Für Innenräume setzt der Betrieb ebenfalls auf unterschiedliche Putze und Körnungen. Kalkbasierte Innenputze gehören ebenso zum Angebot wie die Verbindung von Putzflächen mit Stuckgesimsen. Bei denkmalgeschützten Gebäuden kommen laut Unternehmen bei Bedarf sogar Rohrmatten als Putzträger zum Einsatz, um sich an vorhandene Konstruktionen anzulehnen.

Innenstuck zwischen Restaurierung und neuer Gestaltung

Stuck ist dabei keineswegs ausschließlich ein Thema für repräsentative Altbauten. Im Innenbereich können vorhandene Ornamente freigelegt, beschädigte Formen ergänzt oder Gestaltungselemente neu angefertigt werden. Verarbeitet werden dabei klassische Bestandteile wie Gips, Kalk, Sand und Wasser.

Besonders anspruchsvoll wird die Arbeit, wenn nur Teile eines historischen Profils erhalten sind. Dann muss zunächst nachvollzogen werden, wie die ursprüngliche Form aufgebaut war, bevor Fehlstellen ergänzt oder Elemente neu hergestellt werden können. Präzision bedeutet hier mehr als saubere Kanten. Proportionen, Übergänge und die Wirkung im gesamten Raum müssen stimmen.

Auch bei neu gestalteten Innenräumen kann Stuck bewusst eingesetzt werden. Deckenprofile, Rosetten oder Wandgliederungen verändern die Architektur eines Raumes stärker, als es eine rein dekorative Oberfläche könnte. Der Betrieb verbindet damit zwei Bereiche, die im Stuckateurhandwerk eng zusammenliegen: die Bewahrung vorhandener Gestaltung und die handwerkliche Herstellung neuer Formen.

Denkmalpflege als sichtbarer Schwerpunkt

Wie stark August Böhm mit historischer Bausubstanz verbunden ist, zeigt die Liste restaurierter Fassaden, die im Zusammenhang mit dem Fassadenpreis der Landeshauptstadt München genannt werden. Aufgeführt sind beispielsweise Gebäude am Stephansplatz, in der Thierschstraße, der Maximilianstraße und der Richard-Wagner-Straße. Auch das Moosacher Pelkovenschlössl, Bereiche des Alten Hofs und das Dall-Armi-Haus der Münchner Kammerspiele finden sich in der Übersicht.

Der Fassadenpreis besitzt in München einen besonderen städtebaulichen Hintergrund. Die Landeshauptstadt führte den Wettbewerb 1969 ein, nachdem bei Modernisierungen historischer Gebäude vielfach Stuck und andere Gliederungselemente entfernt worden waren. Bewertet werden heute unter anderem der Erhaltungsaufwand sowie die künstlerische und handwerkliche Qualität der Arbeiten. Dass die Firmenwebsite mehrere Dutzend entsprechend prämierte Fassaden aufführt, gibt daher einen konkreteren Einblick in die Erfahrung des Betriebs als eine allgemeine Aussage über „Qualität“ oder „Tradition“.

Ein Handwerksbetrieb mit klarer Spezialisierung

Die August Böhm Bau- und Stuckgeschäft GmbH deckt ein vergleichsweise konzentriertes Arbeitsfeld ab. Historische Fassaden, Stuckrekonstruktionen, Innenstuck sowie Innen- und Außenputz bilden den Kern. Der Schwerpunkt liegt in München und im umliegenden Oberbayern; der Betrieb bezeichnet sich zugleich als Ansprechpartner für Stuckarbeiten im süddeutschen Raum.

Dabei zeigt sich eine Stärke gerade dort, wo Standardverfahren an ihre Grenzen kommen. Ein beschädigtes Gesims muss anders behandelt werden als eine gewöhnliche Putzfläche, ein historischer Untergrund verlangt andere Entscheidungen als ein Neubau. Die lange Beschäftigung mit diesen Aufgaben, die Verwendung traditioneller Materialien und die dokumentierten Arbeiten an zahlreichen Münchner Gebäuden geben dem Firmenprofil eine ungewöhnlich klare fachliche Kontur.

So steht August Böhm heute für ein Handwerk, dessen Ergebnis häufig selbstverständlich wirken soll: Ergänzte Ornamente sollen sich einfügen, restaurierter Putz soll zur vorhandenen Fassade passen und eine Rekonstruktion möglichst wenig danach aussehen, als sei sie gerade erst entstanden. Gerade darin liegt bei historischen Gebäuden die eigentliche Schwierigkeit – und ein wesentlicher Teil der Arbeit eines spezialisierten Stuckateurbetriebs.

Bildquellen

  • Stuckateur München August Böhm Stuck: https://august-boehm.de/

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