Das Münchner Startup Reverion hat eine Series-B-Finanzierungsrunde in Höhe von 154 Millionen Euro abgeschlossen. Das Geld soll die Produktion sogenannter CO2-negativer Kraftwerke verzehnfachen und bis zu 800 neue Arbeitsplätze in Deutschland schaffen. Warum diese Investition weit über die Startup-Szene hinaus Bedeutung hat.
Was Reverion entwickelt
Reverion ist ein Deeptech-Startup aus dem Umfeld von UnternehmerTUM, Europas führendem Innovations- und Gründungszentrum an der Technischen Universität München. Das Unternehmen entwickelt Kraftwerke, die nicht nur keine CO2-Emissionen verursachen, sondern dem System aktiv CO2 entziehen: sogenannte CO2-negative Systeme zur Stromerzeugung.
Die Technologie basiert auf der Kombination von Hochtemperatur-Brennstoffzellen mit biogenen Gasen. Dabei wird CO2 aus der Atmosphäre entnommen und dauerhaft gespeichert, während gleichzeitig Strom produziert wird. Die Anlagen eignen sich besonders für dezentrale Energieerzeugung in Industrie und Landwirtschaft.
154 Millionen Euro für Produktionsaufbau
Mit dem frischen Kapital aus der Series-B-Runde will Reverion seine Produktionskapazitäten massiv ausbauen. Geplant ist eine neue Fertigungsstätte in Deutschland mit einer Jahreskapazität von 250 Megawatt. Die Investition soll bis zu 800 Arbeitsplätze schaffen, von der Produktion bis zur Ingenieursentwicklung.
Die Finanzierungsrunde ist ein klares Signal des Vertrauens in die Technologie: In einer Zeit, in der viele Startups um Kapital kämpfen, gelingt Reverion eine der größten Series-B-Runden im deutschen Cleantech-Sektor des Jahres 2026.
Bayern als Heimat eines wachsenden Klimatechnik-Clusters
Reverion steht exemplarisch für eine wachsende Gruppe von Startups aus Bayern, die an der Schnittstelle von Energie, Klima und Tieftechnologie arbeiten. Das Innovationsökosystem rund um die TUM und UnternehmerTUM hat in den vergangenen Jahren mehrere Unternehmen hervorgebracht, die mittlerweile internationale Aufmerksamkeit erhalten.
Bayern ist damit nicht nur Automobilstandort oder Tourismusregion, sondern entwickelt sich zu einem der wichtigsten Standorte für Klimatechnologie in Europa. Neben Reverion sind Unternehmen wie HappyRobot, Atira und DeepDrive in jüngster Zeit mit substanziellen Investitionsrunden aufgefallen.
Bedeutung für die Energiewende in Bayern
Die Technologie von Reverion adressiert eine der zentralen Herausforderungen der Energiewende: Wie lassen sich erneuerbare Energien zuverlässig und CO2-negativ bereitstellen, auch wenn Wind und Sonne nicht ausreichen? Die dezentralen Kraftwerke des Unternehmens könnten insbesondere für bayerische Betriebe in der Landwirtschaft und im Mittelstand interessant sein, die ihre Energieversorgung unabhängiger und klimaneutraler gestalten wollen.
Mit einer Produktionskapazität von 250 Megawatt pro Jahr in der neuen deutschen Fabrik wäre Reverion in der Lage, einen spürbaren Beitrag zur Energiewende zu leisten. Zum Vergleich: Ein mittleres Biomasse-Kraftwerk erzeugt typischerweise zwischen 5 und 20 Megawatt.
Rückenwind für den Gründungsstandort Bayern
Der Erfolg von Reverion unterstreicht, was Bayern in den vergangenen Jahren systematisch aufgebaut hat: ein Ökosystem, in dem Forschung, Kapital und unternehmerische Kompetenz zusammenkommen. UnternehmerTUM bietet Gründern nicht nur Mentoring und Netzwerkzugang, sondern auch Verbindungen zu Industriepartnern und internationalen Investoren.
Dass eine Series-B-Runde dieser Größenordnung gelingt, zeigt, dass internationale Investoren dem Standort Bayern und dem Innovationsmodell der TUM-Ausgründungen trauen. Für die bayerische Wirtschaftspolitik ist dies ein Zeichen, dass der eingeschlagene Weg, Forschung und Unternehmertum stärker zu verbinden, Früchte trägt.
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