Über 125 Jahre Firmengeschichte sind im bayerischen Handwerk keine Selbstverständlichkeit – erst recht nicht, wenn der Betrieb vom einfachen Wagengeschäft bis zum modernen Karosserie- und Lackierfachbetrieb alle technologischen Umbrüche der Automobilgeschichte mitvollzogen hat. In Kulmbach in Oberfranken blickt ein Familienunternehmen auf genau solch eine Historie zurück, geführt heute in vierter Generation. Die Ludewig Karosseriebau GmbH & Co. KG, bekannt als Ludewig Karosserie & Lack, hat sich von der 1894 gegründeten Werkstatt für Kutschen und Geschirre zu einem Betrieb mit rund 30 Mitarbeitenden entwickelt, der Unfallinstandsetzung, Lackierung und Industrielackierung unter einem Dach vereint. Dieses Porträt zeigt, wie Generationenwechsel, Investitionsbereitschaft und eigene Ausbildung das Unternehmen bis heute prägen.
Ein Familienbetrieb mit Wurzeln im 19. Jahrhundert
Die Chronik beginnt 1890: Der gelernte Sattler und Wagenbauer Albin Ludewig zieht von Augsburg nach Kulmbach und ist als Handwerksbursche bald ein gefragter Mann. 1894 wagt er den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnet in der Fischergasse sein eigenes Wagengeschäft. Das Geschäft floriert, Ludewig expandiert und erwirbt am Pörbitscher Weg ein größeres Anwesen. Gefertigt werden dort Gebrauchs- und Luxuskutschen aller Art; die Zuggeschirre für Pferde gelten der Firmenüberlieferung zufolge zeitweise als die besten in Oberfranken.
Auch die nächste Generation steigt früh ein: Sohn Hans Ludewig erlernt das Karosserie- und Lackierhandwerk und legt die Meisterprüfung bereits mit 24 Jahren ab. Die größte Zäsur der frühen Firmengeschichte folgt 1928, als das Firmengebäude gleich zweimal durch Brandstiftung vernichtet wird. Hans Ludewig gibt nicht auf, baut den Betrieb wieder auf und investiert 1931 zudem in die damals moderne Spritztechnik samt neuer Maschinen – eine frühe Demonstration der Bereitschaft, technologischen Fortschritt konsequent in den eigenen Betrieb zu holen. Auch der Zweite Weltkrieg bringt harte Jahre; die Familie steht diese Zeit mit fünf Kindern durch. Aus dem Wagengeschäft von einst ist längst ein spezialisierter Karosserie- und Lackierbetrieb geworden. Die Erfahrungen aus Aufbau, Zerstörung und Neubeginn prägen das Selbstverständnis des Hauses bis heute.
Vierte Generation, moderne Technik
1958 stirbt Hans Ludewig – und erneut steht das Unternehmen vor einer Weichenstellung. Die Nachfolge tritt Tochter Edeltraut Linz an, zu einer Zeit, in der eine Frau an der Spitze eines Handwerksbetriebs noch alles andere als üblich ist. Sie führt das Unternehmen durch die Jahrzehnte zunehmender Motorisierung. Unter ihrer Leitung wird 1962 die erste Anlage zur Einbrennlackierung eingebaut, weitere Investitionen folgen. 1980 zieht die Firma in ein völlig neues Gebäude mit moderner Technik und schafft damit die Grundlage für die nächste Ausbaustufe.
Die vierte Generation übernimmt 1997: Anette Koslowski führt den elterlichen Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann Thorsten Koslowski weiter. „Wir haben das große Erbe, das wir von unseren Vorfahren bekommen haben, immer als Motivation angesehen, noch besser und innovativer zu werden“, beschreibt Anette Koslowski den eigenen Anspruch. Konkret heißt das unter anderem: Eine Farbmischmaschine gewährleistet nach Unternehmensangaben eine hundertprozentige Farbausmischung, ein Farbmessgerät ermittelt selbst Nuancen, die das menschliche Auge nicht mehr unterscheiden kann – bei Nachlackierungen ein entscheidender Faktor. Zudem ist Ludewig Mitglied von ColorMotion, dem Premium-Kundennetzwerk des Lackherstellers Glasurit, dem nach Herstellerangaben führende Lackier- und Karosseriebetriebe aus Deutschland angehören. Die Verbindung aus Tradition und Gegenwart ist hier also kein Schlagwort, sondern gelebter Alltag.
Leistungsspektrum von Unfallinstandsetzung bis Oldtimer-Lackierung
Breit aufgestellt ist das Leistungsspektrum; der Schwerpunkt liegt auf der Unfallinstandsetzung. Der Betrieb übernimmt die komplette Schadenabwicklung, von der Dokumentation über die Kommunikation mit der Versicherung bis zur abschließenden Kontrolle. Auch größere Unfallschäden werden mit moderner Richtbanktechnik instandgesetzt – zum Einsatz kommt eine Richtbank des Typs Car-O-Liner Quick 42. Damit Kunden mobil bleiben, steht eine eigene Ersatzwagenflotte bereit; ein PKW-Transportservice holt beschädigte Fahrzeuge auf Wunsch ab. Für Fahrzeughalter, die einen zuverlässigen Autolackierer aus Bayreuth suchen, ist der Kulmbacher Betrieb damit eine naheliegende Adresse – ein Hol- und Bringdienst erleichtert die Anfahrt und reduziert den organisatorischen Aufwand. Auch Bindlach und die nähere Umgebung gehören zum Servicegebiet. Der Betrieb versteht sich selbst als erste Adresse für Unfallinstandsetzung in der Region – ein Anspruch, der auf belegbare Qualität und kurze Ausfallzeiten abzielt.
Darüber hinaus deckt der Betrieb Karosseriearbeiten und Fahrzeuglackierungen jeder Größenordnung ab – vom Spot Repair über Teilbereiche bis zur Komplettlackierung. Beulen, Dellen, verzogene Bauteile oder Rostschäden werden mit geschultem Blick und präziser Technik behoben; wo möglich, setzt die Werkstatt auf Instandsetzung statt Austausch, um Kosten und Materialeinsatz zu reduzieren. Kleinere Schäden lassen sich häufig ganz ohne erneute Lackierung korrigieren. Auch individuelle Designs und besondere Lackeffekte sind möglich.
Zwei Spezialfelder runden das Angebot ab. In der Industrielackierung bearbeitet das Unternehmen Bauteile für gewerbliche Kunden – vom Kleinteil bis zum großflächigen Konstruktionselement, auf Wunsch auch in Serien. Die Oldtimer-Kompetenz schließlich verlangt besonderes Feingefühl: Mit historischen Farbtonsystemen und moderner Messtechnik wird die passende Nuance für jede Epoche gefunden, damit der Charakter klassischer Fahrzeuge erhalten bleibt. Ergänzt wird das Spektrum durch professionelle Fahrzeugpflege und Aufbereitung sowie einen strukturierten Flotten- und Leasingservice für Autohäuser, Leasinggesellschaften und Unternehmen mit eigenem Fuhrpark – ein Angebot, das vor allem für gewerbliche Kunden dank kurzer Standzeiten und fester Ansprechpartner planbar bleibt.
Team, Ausbildung und Service für die Region
Rund 30 qualifizierte Mitarbeitende arbeiten derzeit bei Ludewig – die Teamstruktur verrät dabei einiges über die Arbeitsweise des Betriebs. Neben der zweiköpfigen Geschäftsleitung stehen sechs Karosseriebauer und ein Meister, sieben Lackierer und vier Annahmemeister in der Werkstatt. Hinzu kommen Mitarbeitende im Hol- und Bringservice, im Finishbereich sowie in der Büroverwaltung. „Qualitätsmanagement hat bei uns Top-Priorität, denn den Kunden nutzen nur Qualitätszusagen, die belegt werden können“, sagt Thorsten Koslowski und verweist auf die lange Erfahrung in der Zusammenarbeit zwischen Werkstatt und Versicherungen.
Im Alltag heißt das: klare Abläufe, transparente Kommunikation und feste Prozesse von der Fahrzeugannahme bis zur Übergabe. Beschädigte Fahrzeuge sollen den Kunden nach möglichst kurzen Ausfallzeiten wieder zur Verfügung stehen – ein Versprechen, das sich nur mit entsprechender Personalausstattung und eingespielten Abläufen einlösen lässt.
Nachwuchs kommt bei dem Traditionsbetrieb nicht von ungefähr: Ludewig ist anerkannter Ausbildungsbetrieb für die Berufe Kfz-Mechatronikerin und Kfz-Mechatroniker, Fahrzeuglackiererin und Fahrzeuglackierer, Mechanikerin und Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik sowie Kauffrau und Kaufmann für Büromanagement. Derzeit lernen mehrere Auszubildende in Werkstatt und Büro; der Betrieb bildet in mehreren Berufen aus und sichert so langfristig den eigenen Nachwuchs. In einer Region, in der viele Handwerksbetriebe über Fachkräftemangel klagen, ist die eigene Ausbildung ein langfristiges Sicherungsinstrument – und ein Beitrag zur beruflichen Bildung in Oberfranken.
Betriebe wie Ludewig stehen für eine Spielart bayerischen Mittelstands, die selten laut auftritt: über Generationen gewachsen, fest in der Region verwurzelt und zugleich bereit, in Technik und Qualifizierung zu investieren. Für Oberfranken sind solche Unternehmen Arbeitgeber, Ausbilder und Dienstleister in einem – und ein Stück wirtschaftliche Stabilität abseits der Ballungsräume. Solange die Nachfrage nach fachgerechter Unfallinstandsetzung, Lackierung und Karosseriearbeit in Oberfranken anhält, dürfte der Kulmbacher Familienbetrieb seine Bedeutung für die Region auch in den kommenden Jahren behalten.
Betriebe wie Ludewig stehen für eine Spielart bayerischen Mittelstands, die selten laut auftritt: über Generationen gewachsen, fest in der Region verwurzelt und zugleich bereit, in Technik und Qualifizierung zu investieren. Für Oberfranken sind solche Unternehmen Arbeitgeber, Ausbilder und Dienstleister in einem – und ein Stück wirtschaftliche Stabilität abseits der Ballungsräume. Bayern Business porträtiert in der Rubrik Firmenportrait regelmäßig Unternehmen, die diese Verbindung aus Tradition und Gegenwart glaubwürdig leben.
Bildquellen
- Ludewig Lackierung – Fahrzeuglackiererei und Unfallschadenbeseitigung: https://ludewig-lackierung.de/
