Lehrerin im Unterricht - Lehrkräftemangel Bayern Wirtschaft

Warum der Lehrkräftemangel Bayern auch wirtschaftlich unter Druck setzt

Mehr als 400 angehende Lehrkräfte in Bayern haben eine Petition unterzeichnet, in der sie Entlastung im Referendariat fordern. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern (GEW) unterstützt die Initiative und fordert gleichzeitig eine Reform des BAföG, um angehenden Lehrern bessere finanzielle Rahmenbedingungen zu bieten. Warum ist das ein Thema, das auch die bayerische Wirtschaft betrifft?

Was Lehrkräftemangel mit Wirtschaft zu tun hat

Auf den ersten Blick scheint der Lehrkräftemangel ein bildungspolitisches Problem zu sein. Tatsächlich ist er auch ein wirtschaftspolitisches. Unternehmen in Bayern suchen qualifizierte Fachkräfte, deren Grundlagen in der Schule gelegt werden. Wer schlechte Mathematiklehrer hat, bildet schlechtere Ingenieure aus. Wer zu wenig Informatiklehrer hat, produziert weniger IT-Fachkräfte. Und wer Berufsschulen nicht ausreichend mit Lehrkräften versorgt, schwächt die duale Ausbildung, die das Rückgrat der bayerischen Fachkräfteversorgung ist.

Bayern fehlen nach aktuellen Schätzungen mehrere Tausend Lehrkräfte, besonders in den MINT-Fächern, in der Informatik und an Berufsschulen. An Berufsschulen ist der Mangel besonders kritisch, weil dort Ausbildungsberufe unterrichtet werden, in denen Bayern gleichzeitig Fachkräftemangel beklagt. Ein Teufelskreis.

Was hinter der Referendariat-Petition steckt

Das Referendariat ist die zweijährige praktische Ausbildungsphase nach dem Studium, in der angehende Lehrkräfte in einer Schule unterrichten und gleichzeitig ausgebildet werden. Die Bedingungen sind nach Ansicht der 400 Unterzeichner zu belastend: zu viele Unterrichtsstunden, zu wenig Begleitungund Feedbackzeiten, finanzielle Unsicherheit und hoher bürokratischer Aufwand. Das Ergebnis: Viele Referendare brechen ab oder wechseln nach dem Referendariat in andere Berufe.

Das BAföG-Problem verschärft die Situation. Viele Lehramtsstudierende sind auf staatliche Unterstützung angewiesen, weil das Studium lang ist und gleichzeitig wenig Zeit für Nebenjobs bleibt. Reformen beim BAföG, die bessere Unterstützung für Lehramtsstudierende vorsehen, könnten helfen, den Pool an Bewerbern für den Lehrberuf zu vergrößern.

Was Unternehmen tun können

Betriebe können den Lehrkräftemangel nicht direkt lösen, aber sie können ihn indirekt abmildern. Wer aktiv in Schulpartnerschaften investiert, Praktika für Schüler und Referendare anbietet und mit Berufsschulen kooperiert, verbessert das Bildungsangebot in seiner Region. Das stärkt langfristig die Qualität der Ausbildungsbewerber. Wer Berufsschullehrkräfte für temporäre Unterrichtsprojekte gewinnt und praxisnahes Wissen in die Schule bringt, hilft auf direktem Weg. Den Zusammenhang zwischen Bildung und Fachkräftesicherung zeigt der Artikel Warum Geringqualifizierte seltener an Weiterbildungen teilnehmen.


Quelle: Zusammenfassung nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern (GEW), Pressemitteilung vom 29. Juli 2026 unter https://www.gew-bayern.de/aktuelles

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