Der Kfz-Handel in Bayern hat das erste Quartal 2026 mit einem nominalen Umsatzplus von 1,0 Prozent abgeschlossen. Das klingt zunächst positiv, doch hinter der Zahl verbirgt sich eine Schwäche: Real, also bereinigt um die Preissteigerungen, ist der Umsatz zurückgegangen. Das meldet das Bayerische Landesamt für Statistik. Die bayerische Autobranche befindet sich damit in einem schwierigen Spannungsfeld.
Nominal plus, real minus: Was das bedeutet
Das nominale Umsatzwachstum von 1,0 Prozent täuscht darüber hinweg, dass Fahrzeuge teurer geworden sind. Ein höherer Durchschnittspreis pro verkauftem Fahrzeug hebt den Umsatz in Euro, auch wenn weniger Autos verkauft werden. Real, also gemessen an der tatsächlichen Verkaufsmenge, schwächelt der bayerische Kfz-Handel. Das ist die eigentlich relevante Kennzahl für die Branchenentwicklung.
Die Ursachen sind bekannt: Hohe Fahrzeugpreise schrecken Käufer ab, besonders im privaten Segment. Elektroautos haben höhere Listenpreise als vergleichbare Verbrenner, und staatliche Kaufanreize sind weggefallen. Gleichzeitig zieht die wirtschaftliche Unsicherheit private und gewerbliche Kaufentscheidungen in die Länge. Wer sein Auto noch ein weiteres Jahr fährt, statt einen Neuwagen zu kaufen, zeigt damit kein Vertrauen in die eigene wirtschaftliche Lage.
Elektromobilität: Hoffnungsträger oder Hemmschuh?
Der Kfz-Handel in Bayern hatte auf einen Elektroauto-Boom gesetzt. Nach dem Ende der staatlichen Förderprämien Ende 2023 brach die Nachfrage aber ein. Seitdem erholt sich der Markt nur zögerlich. Viele potenzielle Käufer warten auf günstigere Modelle, bessere Ladeinfrastruktur oder neue Förderprogramme. Händler, die stark in Elektromodelle investiert haben, kämpfen mit Lagerbeständen und Margendruck.
Gleichzeitig wächst das Interesse an gebrauchten Elektrofahrzeugen. Der Occasionsmarkt für E-Autos entwickelt sich dynamischer als das Neuwagengeschäft, weil die Preise dort für viele Käufer attraktiver sind. Für Händler bietet das neue Ertragsmöglichkeiten, erfordert aber Kompetenz in der Aufbereitung, Prüfung und Vermarktung von Gebrauchtfahrzeugen.
Was gewerbliche Kunden jetzt tun können
Für Unternehmen mit Fuhrparks ist die aktuelle Lage ambivalent. Einerseits sind neue Fahrzeuge teurer als noch vor einigen Jahren, was die Beschaffungskosten erhöht. Andererseits bieten sinkende Gebrauchtwagenpreise für Elektrofahrzeuge die Möglichkeit, Flotten schrittweise und zu attraktiveren Konditionen auf Elektro umzustellen. Wer seinen Fuhrpark bis 2027 oder 2028 erneuern muss, sollte die Preisentwicklung genau beobachten und Kaufzeitpunkte strategisch wählen.
Das Thema Ladeinfrastruktur bleibt für gewerbliche Betreiber ein Engpass. Wer einen Fuhrpark mit Elektrofahrzeugen betreibt, braucht eine verlässliche Ladeinfrastruktur auf dem Betriebsgelände. Die Investition zahlt sich mittel- bis langfristig aus, weil Betriebskosten für Elektrofahrzeuge bei eigenem Strom deutlich unter denen von Verbrennern liegen. Den weiteren Kontext zur Transformation der Mobilität liefert der Artikel MAN Truck und Bus: Elektrowende in der Nutzfahrzeugindustrie.
Quelle: Zusammenfassung nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik, Pressemitteilung vom 1. Juni 2026 unter https://www.statistik.bayern.de/presse/mitteilungen/2026/pm142/index.html
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